Wurzeleinwuchs im Kanal: erkennen, beseitigen und vorbeugen

Bäume und Sträucher sind für jeden Garten eine Bereicherung. Was viele Hausbesitzer jedoch nicht wissen: Ihre Wurzeln können unter bestimmten Voraussetzungen zu einem ernsthaften Problem für das Kanalsystem werden. Besonders ältere oder bereits beschädigte Leitungen können von Wurzeleinwuchs im Kanal betroffen sein.

Das Tückische daran: Unter der Erde bleibt das Problem lange unbemerkt. Erst wenn das Wasser schlechter abfließt oder es immer wieder zu Verstopfungen kommt, wird der Schaden sichtbar.

Doch wie gelangen Wurzeln überhaupt in ein Kanalrohr? Woran erkennt man Wurzeleinwuchs – und was kann dagegen getan werden?


Warum wachsen Wurzeln in Kanalleitungen?

Pflanzenwurzeln suchen im Erdreich nach Feuchtigkeit und Nährstoffen. Kanalleitungen bieten dafür unter ungünstigen Umständen besonders attraktive Bedingungen.

Eine vollkommen intakte und dichte Rohrleitung stellt für Wurzeln normalerweise kein leichtes Einfallstor dar. Problematisch wird es beispielsweise bei:

  • undichten Rohrverbindungen,
  • kleinen Rissen,
  • beschädigten Dichtungen,
  • altersbedingt beeinträchtigten Leitungen oder
  • anderen vorhandenen Schadstellen.

Durch kleinste Undichtigkeiten kann Feuchtigkeit in das umgebende Erdreich gelangen. Feine Wurzeln können in Richtung dieser Feuchtigkeitsquelle wachsen und schließlich durch eine vorhandene Schadstelle in die Leitung eindringen.

Aus wenigen dünnen Wurzeln kann mit der Zeit ein dichtes Wurzelgeflecht entstehen.


Warum ist Wurzeleinwuchs im Kanal problematisch?

Das Problem besteht nicht nur darin, dass sich Wurzeln im Rohr befinden.

An den Wurzeln können Toilettenpapier, Schmutz und andere Stoffe hängen bleiben. Dadurch wird der freie Querschnitt der Leitung zunehmend kleiner.

Die Folgen können unter anderem sein:

  • langsam ablaufendes Wasser,
  • wiederkehrende Kanalverstopfungen,
  • gurgelnde Geräusche,
  • Rückstau,
  • vollständige Blockaden und
  • weitere Beschädigungen der Rohrleitung.

Wurzeleinwuchs gehört deshalb zu jenen Ursachen von Kanalproblemen, die nicht dauerhaft ignoriert werden sollten.

➤ Siehe auch unseren Beitrag „5 häufige Ursachen für Kanalverstopfungen im Einfamilienhaus“.


Woran erkennt man Wurzeln im Kanal?

Von außen lässt sich Wurzeleinwuchs normalerweise nicht eindeutig feststellen.

Es gibt allerdings Warnsignale.

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn eine Kanalverstopfung immer wieder an derselben Stelle auftritt. Wird die Leitung gereinigt und ist kurze Zeit später erneut verstopft, kann eine tieferliegende Ursache vorhanden sein.

Auch ein zunehmend schlechter werdender Abfluss kann darauf hindeuten, dass der Rohrquerschnitt eingeschränkt ist.

➤ Weitere typische Warnsignale eines problematischen Kanalsystems haben wir in unserem Beitrag „Wie erkennt man Probleme im Kanalsystem?“ zusammengestellt.


Kamerainspektion: Wurzeleinwuchs sichtbar machen

Besteht der Verdacht auf Wurzeln in einer Kanalleitung, ist eine Kamerafahrt eine besonders hilfreiche Untersuchungsmethode.

Eine spezielle Kanalkamera wird durch die Leitung geführt. Dadurch kann der Fachmann das Innere des Rohres untersuchen und beispielsweise feststellen:

  • ob tatsächlich Wurzeln vorhanden sind,
  • an welcher Stelle sie auftreten,
  • wie stark der Wurzeleinwuchs bereits ist und
  • ob erkennbare Schäden an der Leitung bestehen.

Statt lediglich Vermutungen anzustellen, erhält man damit einen direkten Einblick in einen ansonsten nicht sichtbaren Bereich des Hauses.

➤ Mehr über diese Untersuchungsmethode erfahren Sie in unserem Beitrag „Die Bedeutung von Kamerafahrten in der Kanalinspektion“.


Wie werden Wurzeln aus einem Kanal entfernt?

Wie bei Wurzeleinwuchs vorgegangen wird, hängt von der konkreten Situation ab.

Spezielle professionelle Reinigungsverfahren und Werkzeuge ermöglichen es, eingewachsene Wurzeln aus Leitungen zu entfernen und den Rohrquerschnitt wieder freizulegen.

Entscheidend ist allerdings ein zweiter Punkt:

Die Entfernung der Wurzeln allein beseitigt nicht zwangsläufig die Ursache.

Sind die Wurzeln beispielsweise durch eine beschädigte Rohrverbindung eingedrungen, besteht diese Schwachstelle nach der Reinigung möglicherweise weiterhin.

Deshalb sollte nach stärkerem oder wiederkehrendem Wurzeleinwuchs auch der Zustand der betroffenen Leitung beurteilt werden.


Muss wegen Wurzeleinwuchs gleich der Garten aufgegraben werden?

Diese Sorge haben viele Hausbesitzer – sie ist aber nicht automatisch berechtigt.

Moderne Kanaltechnik ermöglicht zunächst eine Untersuchung und in vielen Fällen auch Arbeiten von innerhalb der Leitung. Eine Kamerainspektion kann zudem helfen, einen betroffenen Bereich wesentlich genauer einzugrenzen.

Ob anschließend weitere Maßnahmen notwendig sind, hängt vom tatsächlichen Schadensbild ab.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, zuerst eine fachgerechte Diagnose durchführen zu lassen, anstatt auf Verdacht Teile des Grundstücks freizulegen.


Besonders bei älteren Einfamilienhäusern aufmerksam sein

Bei einem neu errichteten Haus kennen Eigentümer häufig den Verlauf der Leitungen und verfügen über entsprechende Pläne.

Bei einem gekauften älteren Einfamilienhaus sieht das oftmals anders aus.

Wo verlaufen die Leitungen? Wie alt sind sie? Gab es bereits Reparaturen? Welche Bäume wurden möglicherweise erst Jahre nach Errichtung des Hauses gepflanzt?

Nicht immer lassen sich diese Fragen beantworten.

Eine Kamerainspektion kann deshalb gerade beim Kauf oder Besitz einer älteren Immobilie interessante Erkenntnisse über den Zustand des vorhandenen Kanalsystems liefern.


Kann man Wurzeleinwuchs vorbeugen?

Vollständig ausschließen lässt sich das Problem nicht immer. Einige Maßnahmen reduzieren jedoch das Risiko.

Bei Neupflanzungen sollte beispielsweise berücksichtigt werden, wo Kanal- und Abwasserleitungen verlaufen. Besonders stark wachsende Bäume sollten nicht unmittelbar neben empfindlichen Leitungsbereichen gepflanzt werden.

Noch wichtiger ist der Zustand des Kanals selbst: Eine intakte Leitung bietet Wurzeln wesentlich weniger Möglichkeiten zum Eindringen.

Wiederkehrende Verstopfungen sollten deshalb nicht lediglich beseitigt, sondern hinsichtlich ihrer Ursache untersucht werden.


Wurzeleinwuchs zeigt, warum regelmäßige Kanalwartung sinnvoll ist

Wurzeln wachsen nicht innerhalb weniger Tage zu einer massiven Blockade heran. Das Problem entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum.

Genau darin liegt der Vorteil einer vorbeugenden Kontrolle: Veränderungen können erkannt werden, bevor der Kanal vollständig verstopft ist.

➤ Wie oft eine Überprüfung oder Reinigung sinnvoll sein kann, erfahren Sie auch in unserem Beitrag „Wie oft sollte man einen Kanal reinigen lassen?“.


Wenn aus dem Wurzeleinwuchs ein Kanalnotfall wird

Hat sich bereits eine starke Verstopfung gebildet, kann es im ungünstigsten Fall zu einem Rückstau oder austretendem Abwasser kommen. Dann sollte rasch gehandelt werden.

Unser 24h Kanal-Notdienst ist in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland rund um die Uhr erreichbar.

Bei akuten Problemen kann so zunächst die Funktionsfähigkeit des Kanals wiederhergestellt und anschließend geklärt werden, wodurch die Verstopfung verursacht wurde.


Fazit: Bei wiederkehrenden Verstopfungen nach der Ursache suchen

Wurzeleinwuchs ist ein gutes Beispiel dafür, warum es bei Kanalproblemen nicht genügt, ausschließlich das sichtbare Symptom zu behandeln.

Wird ein Kanal immer wieder an derselben Stelle verstopft, sollte geklärt werden, warum das Problem wiederkehrt.

Eine Kamerainspektion kann Wurzeleinwuchs sichtbar machen und gleichzeitig wichtige Informationen über den Zustand der Leitung liefern. Wird das Problem rechtzeitig erkannt, können die nächsten Schritte gezielt geplant werden – bevor aus einigen Wurzeln im Rohr eine vollständige Kanalverstopfung wird.

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